TKG Hildesheim

PDF Drucken E-Mail

Man muss alles tun, was in seinen Kräften liegt: geben, ohne zu zählen, sich ständig loslassen, mit einem Wort seine Liebe durch all die kleinen Werke, deren man fähig ist, beweisen. Da all das jedoch eine geringfügige Sache ist, ist es notwendig, dass wir … eingestehen, ‚unnütze Knechte’ (Lk 17,10) zu sein, und dennoch hoffen, dass Gott alles, was wir ersehnen, aus Gnade geben wird. Das ist die Hoffnung der kleinen Seelen, die wir auf dem Weg der Kindheit ‚laufen’. Ich sage ‚laufen’ und nicht ‚sich darauf ausruhen’.

Thérèse von Lisieux

Werner Hilbrich TKG /  Maria Lücking TKG

Veränderungen im Leben als Reifungschance

-  Karmelitanische Exerzitien in der Praxis

Am 11. November 2006 fand unser diesjähriger Tag der Begegnung im Schönstattzentrum Bad Salzdetfurth gemäß Ablaufplanung statt.

Aus unserem Kreis konnten Brigitte, Doris, Eva, Hildegard H., Maria, Mechthild, Monika und ein Ehepartner als Gast teilnehmen.

Anreise bis gegen 9.00 Uhr.

9.15 Uhr Begrüßung, Austausch, Pfr. Hilbrich stellt sich selbst vor.

10.00 Uhr 1. Impuls zum Thema:

„Veränderungen im Leben als Reifungschance“ ,

anschließend Stille, dann Austausch

12.15 Uhr Mittagessen, Pause; 13.45 Uhr Kaffee.

14.15 Uhr 2. Impuls zum Thema:

danach Stille,  ggfls. (Beicht)-Gespräch.

16.00 Uhr Gottesdienst, danach längeres Zusammensein oder Abreise

(offenes Ende, je nach Bedarf, spätestens 18.30 Uhr).

vortragssaal

 

Impulse in Stichworten:

 

Pfr. Hilbrich: "Ein Dialog zwischen Gästen und dem Referenten ist eigentlich ein Dialog mit dem Heiligen Geist. Er ist der eigentliche Exerzitienmeister."

Am letzten Sonntag war die Lesung dran aus dem Buch Deuteronomium: "Höre, Israel, Jahwe ist einzig…" Es fängt an mit dem Wort "Höre" - das wird oft überhört.

Martin Buber: "Gott lehrt durch das Hören die Seele. Die Seele lernt unablässig, aber sie wiederholt nicht."

Veränderungsprozesse im Leben können wir besser einordnen, wenn wir hören.

Das ganze Leben ist ein Veränderungsprozess, wenn wir uns darauf einlassen.

Manche Menschen bauen ihr Lebenshaus; dann meinen sie, es sei fertig - es verändert sich nicht mehr und erstarrt.

Gerade als Christen sind wir durch Jesus immer ermutigt, uns auf den Weg zu machen. Jesus war immer unterwegs und hat den Menschen Mut gemacht.

Auch unser Leben ist ein Weg, immer verändert sich etwas; auch bei dem Besinnungstag bleiben wir ja nur ein paar Stunden.

 

Dreischritt: "Ankommen - Bleiben - Weitergehen" (jeweils als äußeres und als inneres Geschehen)

 

Ankommen, z. B. an einem neuen Ort: Das machen wir manchmal selber, z. B. bei einem Umzug. Manchmal kommt es auf uns zu: Wir verlieren Menschen oder die Arbeit, wir lassen uns auf neue Menschen ein.

Wo der Mensch neu ankommt, hilft ihm wohl am wenigsten ein kluger Ratschlag von Anderen.

Man braucht Zeit, um auszuhalten, Geduld zu haben - die fehlt oft. Zeit, Geduld und Freiheit sind aber ganz wichtig.

Vor einiger Zeit gab es im Rundfunk einen Vortrag über die Industrialisierung Europas, deren Beginn in England war. Ein Forscher reiste nach England. Er nahm wahr, dass die Menschen dort viel schneller liefen als anderswo - die Maschinen bestimmten das Lebenstempo der Menschen.

Bei Veränderungen im Leben kommt es darauf an, soviel Ruhepunkte in den Alltag einzubauen wie irgend möglich - und wenn es nur fünf Minuten zum Durchatmen sind.

Aus der "Dunklen Nacht" (Johannes vom Kreuz): Wir sind gleichsam Wanderer; Beispiel 2. Buch, 16. Kap., Abschnitt 8.

Ein Wanderer, der zu unbekannten Zielen unterwegs ist, muss Vertrautes hinter sich lassen. Ähnlich geht es jedem, der sich in seinem Handwerk oder seiner Kunst vervollkommnen will: Er muss Neues wagen. Ebenso verhält es sich im Glauben; der Glaube ist ein Weg durch das Dunkel.

Johannes vom Kreuz war hoch gebildet; sehr wahrscheinlich hat ihn auch die Mystik des Islam fasziniert - immer wieder liest man dieses "Nichts" und "Alles"; möglicherweise war er auch mit dem Buddhismus vertraut.

Karmelitanische Mystik: Heute wird viel in Johannes vom Kreuz "hineingelesen", auch viel Esoterisches. Dabei ist bei ihm eher paulinisches Denken zu finden (viele Bibelzitate).

Es ist wie bei Abraham, dem Vater des Glaubens, der auch durch das Dunkle gehen musste.

Johannes vom Kreuz beschreibt die Dunkle Nacht in drei Schritten:

-         Abenddämmerung (Nacht der Sinne)

-         Mitternacht (Nacht des Geistes)

-         Morgenfrühe (Nacht des Glaubensweges).

a) Abenddämmerung (Nacht der Sinne)

Was die Menschen sinnlich berauscht, wird relativiert.

 b) Mitternacht (Nacht des Geistes)

Vielleicht hat man jahrelang schon mit Gebeten gelebt, vielleicht Devotionalien gesammelt, und plötzlich ist alles "weg", die Seele findet keinen Wohlgeschmack mehr daran.

Dahin führt Gott uns, weil Er testen will, ob wir Ihn wirklich lieb haben. Was uns früher vielleicht Auto und Haus gegeben haben, gibt uns jetzt Meditation und Gottesdienst.

Psalm 23: "Du bist bei mir - trotzdem!"

"So nimm’ denn meine Hände - Du führst mich doch zum Ziele, auch durch die Nacht."

 Diese Zustände können wechseln, sie folgen nicht zwingend aufeinander. Ein Zustand kann Sekunden, aber auch Jahre dauern.

Die "Dunkle Nacht": Gedicht, wie Gott die Seele und wie die Seele Gott sieht.

Die "Lebendige Liebesflamme": Die Geliebte sucht den Geliebten, aber noch viel mehr sucht der Geliebte die Geliebte.

 c) Morgenfrühe (Nacht des Glaubensweges)

Der Mensch sieht wieder Licht, ist aber gereift. Beten und meditieren um Gottes willen.

Manchmal besteht dann die Gefahr, dass man auf Andere herabsieht, und schon ist man wieder "unten".

Gott ist wie eine liebende Mutter; er liebt den Säugling, trägt ihn auf dem Arm und gibt ihm die Brust. Später muss das Kind laufen lernen und selber trinken - die Brust wird mit Bitterkräutern eingestrichen, und das Kind bekommt Brot zu essen.

Gott will uns auf Augenhöhe führen, wir sollen Seine Partner werden.

Brennender Dornbusch: "Ziehe deine Schuhe aus" (Achillesferse). Später wäscht Jesus den Jüngern die Füße, er heilt diese Wunde.

 Gottes Name JHWH (Jahwe) wird etwas unterschiedlich übersetzt:

"Ich bin der Ich bin."

"Ich bin der ‚Ich bin da’." (Ich bin auch für dich da).

 Pfr. Hilbrich lässt Exerzitiengäste häufig konkret "ein Stück des Weges gehen", "bewusst die Erde spüren".

Bei Herder ist ein Buch von Linus Mundy erschienen: das "Geh-bet-Buch" (ISBN 3-451-26094-8).

Hinweis auf das Gotteslob Nr. 6: Jesusgebet

 Eine Geschichte von einer Afrikaexpedition: alle 10 km wird Pause gemacht, man trinkt und unterhält sich. Der europäische Gast treibt zur Eile an. Der Expeditionsführer antwortet: "Wir müssen warten, bis die Seele nachgekommen ist."

Der Mensch ist nur zufrieden und seelisch gesund, wenn er immer dafür sorgt, dass die Seele ankommt.

Die Sehnsucht, bei sich selber anzukommen, steckt in uns drin. Augustinus: "Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir." Wir brauchen ein Ziel: das ist Gott.

Augustinus spricht nicht direkt von der Nachterfahrung. Er sagt aber: "Willst du dein Gebet nicht unterbrechen, dann unterbrich die Sehnsucht nicht, denn die Sehnsucht ist ein ständiges Gebet."

 Ankommen - Bleiben - Weitergehen: Diese drei Punkte machen Veränderung aus.

 Bei schlimmen Ereignissen in einer Familie oder auch nach dem "11. September": Nichts ist mehr, wie es war. Es ist wichtig, das angucken zu können, nur dann kann ich es verändern.

Aristoteles: "Was ich annehme, kann ich verändern."

Ich kann nicht nur ein Bild von einem Tisch haben - ich muss das Holz in die Hand nehmen, dann kann ich es verändern. Gott nimmt uns die Arbeit nicht ab.

 Ich muss "bleiben" können - egal, ob ich freiwillig in die Situation gekommen bin oder nicht.

Der Anfang des Gedichtes "Ziehende Landschaften" von Hilde Domin lautet: "Man muss weggehen können und doch sein wie ein Baum…"

Eine Baummeditation kann zum ganzheitlichen Beten helfen: Man stellt sich hüftbreit hin, hebt die Arme hoch, spürt die Erde.

Wir können ohne die Erde nicht leben, aber auch nicht ohne das Licht von oben.

"Aufstieg zum Berg Karmel": Der Mensch bereitet sich.

"Dunkle Nacht": Gott wirkt.

Hl. Teresa von Ávila: das Gleiche wie bei Johannes vom Kreuz: Freundschaft (bei ihm ist es Reifung).

 Johannes vom Kreuz: "Das Ziel des Menschen ist es, an der Seite Gottes Gott zu sein - aber nicht durch Natur, sondern durch Gnade".

"Die Geliebte wird dem Geliebten ähnlich" (Johannes vom Kreuz: Die Seele wird Jesus ähnlich).

Man kann aber nur lieben, was man kennt.

 Teresa im "Weg der Vollkommenheit": Seht Jesus einfach an: Wenn ihr traurig seid, denkt an Jesus am Ölberg. Wenn ihr euch freut, denkt an Maria Magdalena am Ostermorgen.

Ziel unseres Lebens ist es, Partner Gottes zu sein.

Teresa hat das "Bleiben" in der "Seelenburg" mit den sieben Wohnungen beschrieben. Die Seele des Menschen ist wie eine Burg mit sieben Wohnungen. In der siebten Wohnung ist der "kleine Raum mit dem glänzenden Kristall".

Aus dem Zen: "Wer darüber spricht, der kennt es nicht. Wer es kennt, der spricht nicht darüber".

Heute holen Psychologen Bücher wie die "Seelenburg" wieder hervor. Die Burg ist umgeben von einer Zugbrücke, dann kommt ein Burgvorplatz (auf den immer wieder Müll geworfen wird).

Teresa: "Um einzutreten, muss ich das Gebet pflegen. Das Fundament ist die Demut."

Das spanische Wort "Humildad" ist verwandt mit "Humanitas", Menschlichkeit, oder auch mit "Humus", Erde - ferner mit "Humor".

 Phillipp Neri: „Ein Heiliger, der immer traurig ist, ist ein trauriger Heiliger.“

gemeinschaft