TKG Hildesheim

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Ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn ich gar nichts empfinde, wenn ich nicht in der Lage bin, ein Gebet zu sprechen, die Tugend zu üben, dann ist das der gegebene Augenblick, kleine Gelegenheiten zu suchen, Nichtigkeiten, die Jesus Freude machen, größere Freude als die Herrschaft über die Welt oder gar das großmütig durchlittene Martyrium; zum Beispiel: ein Lächeln, ein liebenswürdiges Wort, wenn ich Lust hätte, nichts zu sagen oder ein gelangweiltes Gesicht zu machen, und so weiter…

Brief 143 der T. v. Lisieux, 18.7.1893

Karl Liesner SJ / Mechthild Vits-Herrmann TKG

Gebetsapostolat im Lichte der heiligen Thérèse von Lisieux

- ein Einkehrtag

Am 16. Juni trafen wir uns als TKG – Gemeinde mit Pater Karl Liesner SJ (Göttingen) im Gemeindezentrum St. Bonifatius in Wunstorf, um uns in das „Gebetsapostolat im Lichte der heiligen Thérèse von Lisieux“ einführen zu lassen. Wir, das waren Rita B., Hildegard G., Brigitte K., Doris K., Maria L., Frithjof O., Eva R., Rosemarie K.-K. und Mechthild V.-H. als Gastgeberin. Wir freuten uns – so kurz nach dem Seminar in Birkenwerder – auf diese Begegnungszeit und hofften auf viele weitere Impulse für unsere Gemeinschaft. Pater Karl Liesner SJ verstand es, uns in kurzer Zeit – mit einzelnen Impulsen, mit Liedern, mit Atemübungen und Bewegungseinlagen im Kreis - in das Thema einzuführen.

Er verwies auf Thérèses Bestreben, „die Seelen zu retten“; Ignatius von Loyola spricht vorsichtiger von seinem Auftrag, „die Seelen zu unterstützen“.

Wir hatten keine Mühe, den Satz „Im Herzen der Kirche, die meine Mutter ist, werde ich die Liebe sein. So werde ich alles sein“ nach der Melodie von Pfarrer Bley zu intonieren, begleitet von der Gitarre des Paters. Anschließend: „Je cherche le visage, le visage du Seigneur. Je cherche son image tout au fond de vos coeurs. Vous êtes le corps du Christ, vous êtes ...Alors, qu' avez - vous fait de lui ?" Mit einem Gebet holte uns Pater Liesner in unser Thema vollends hinein.

Pater Liesner verschenkte Karten von dem Gnadenbild „Mutter mit dem geneigten Haupt“, das ihn immer begleitet, und erzählte uns dessen Geschichte. Im 18. Jh. gab es in Lateinamerika den so genannten Jesuitenstaat Uruguay mit gerechten Löhnen und Preisen, der durchaus erfolgreich war. Auf Betreiben Portugals, das seine Pfründe geschmälert sah, wurde der Jesuitenorden durch eine Bulle des Papstes 1773 aufgelöst (überall wo diese verkündet wurde) und der Staat selbst abgeschafft.

Im Kerker in Lissabon wurde vor diesem Bild, das man aus Lateinamerika wieder mitgebracht hatte, gebetet und oft von den gefangenen Jesuiten der Mission die Messe gefeiert. Dem Bild wurden viele Wirkungen zugeschrieben. 1814 konnte - von Preußen und Russland ausgehend - der Orden wieder eingerichtet werden, mit Zentrum in Vals/Südfrankreich, und hatte danach gerade in der Mission in Ost- und Südostasien ganz unwahrscheinliche Erfolge. Das Scheitern wurde damit zum Neuaufbruch. Heute steht das Gnadenbild in der St. Ignatius–Kirche von Essen.

Durch die Taufe wird in uns eine neue Existenz in Christus gelegt. Das Gebetsapostolat besteht darin, ein bestimmtes Anliegen einen ganzen Monat zu „umbeten“. Die Anliegen werden vom Verein zur Förderung des Gebetsapostolates in Deutschland formuliert und in der Endfassung vom Papst genehmigt.

Mit dem Lied „Der mich atmen lässt, bist Du, lebendiger Gott…“ werden wir von innen her darauf eingestimmt, dass alles Leben von Gott kommt.

Die Atemübung ZULASSEN (Einatmen) und LOSLASSEN (Ausatmen) macht uns zur Annahme bereit (PAUSE). Danach erneut: ZULASSEN – LOSLASSEN – PAUSE usw. Man muss sich selbst zulassen – und zwar so, wie uns der Schöpfer allen Lebens geschaffen hat. Dann können wir auch loslassen, d. h. von unserer Ichverhaftetheit absehen und uns verschenken. P. Liesner: „Du bist ein Wohlgeruch Christi!“ (2 Kor 2,15)

Kreisübung: linke Hand in den Kreis, rechte Hand auf die Schulter des Nachbarn. Melodie: Plaisir d´ Amour. Der Herr segne Dich! „Wer glücklich ist, kann sich vergessen“ (Mello). Ich bin Dein Glück, sagt Jesus allen zu.

Wir schauen uns die ausgelegten Materialien an, die wir auch in unsere Familien, in unsere Gemeinden mitnehmen können. Es folgt das Lied: „Ihr seid das Salz der Erde“. Assisi – Gesang: Wer sich vergessen kann, ist glücklich… Er kann Jesus nachfolgen.

„Je näher sie am Kreuz steht, desto fruchtbarer wird die Kirche.“ (Zitat von H.  Schürmann).

Thérèse birgt sich in ihrer Krankheit in Jesus, sie legt ihm diese Krankheit zu Füßen und dort wird sie von IHM aufgenommen und erlöst. Unser Leben ist mit Christus in Gott verborgen (Kol 3, 3).

Pater Liesner bezeichnet Thérèse als „Signalheilige“ (u. a. auch Anna Schäffer, Marthe Aubin, T. v. Konnersreuth). D. h. sie zeigt markant den Herrschaftswechsel. Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir (Gal 2, 20). Ich lebe mit Christus verborgen in Gott. Paulus betont die Dankbarkeit für alles, was einem in diesem Leben auch immer widerfahren kann.

Nach einem deftigen Eintopf mit Nachtisch machen wir eine längere Pause mit Ruhezeiten bzw. Gesprächen oder Spaziergängen. Das Wetter hält sich einigermaßen. In der Pause werden Karten an die Abwesenden geschrieben!

Auf Kaffee und Kuchen folgt am Nachmittag ein ungezwungenes „geistliches Gespräch“. Wobei habe ich in den letzten zwei Wochen Gott gespürt? Wie steht es mit meiner Freundschaftsbeziehung zu Gott? Wie bin ich zum Karmel gekommen? Was verbindet mich mit der kleinen Thérèse?

Pater Liesner bietet die Möglichkeit zur Beichte an.

Um 18 Uhr nehmen wir an der Gemeindemesse teil und schließen danach mit einem Gebet den Einkehrtag ab.